Wozu noch Führung?

Seit Jahren schon kursiert die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Führung. In den letzten Monaten wurde das Thema vertieft medial aufgearbeitet und es gibt bereits einige Methoden und Formen, Zusammenarbeit neu zu gestalten. Es wird Zeit, Führung neu zu denken und dies endlich im Alltag zu erproben!

Die Veränderungen, die wir heute in der Gesellschaft erleben sind tiefgreifend. Die Treiber sind die Digitalisierung, das Internet der Dinge, die Demographie, die zunehmende Verstädterung und der Klimawandel. Diese Entwicklungen wirken auf die Wirtschaft in einem Maße, wie wir es heute noch nicht absehen können. Wie wir morgen arbeiten werden, wie sich Zusammenarbeit gestaltet und welche neuen Geschäftsmodelle sich entwickeln ist noch unklar.

Führungskräfte stehen damit wieder einmal vor neuen Herausforderungen – oder wird da wieder einmal die berühmte »Sau durch’s Dorf getrieben«? Dieser Satz war in der Vergangenheit oft auch das Argument dafür, sich doch nicht bewegen, doch nicht verändern zu müssen. All das, was in den vergangenen Jahren zum Thema Führung entwickelt und in zahlreichen Seminaren, Vorträgen und Trainings weitergegeben wurde, versandete allzu oft. Tools, Theorien zur Erklärung und Methoden sind durchaus vorhanden – aber sie fanden bisher nur in wenigen Fällen Anwendung. Die Praxis, der Alltag sehen dann doch anders aus: Es bleibt keine Zeit, das neue Wissen zu rekapitulieren und in Ruhe anzuwenden.

Die Veränderungen, die wir jetzt in der Gesellschaft und Wirtschaft erleben, erfordern nun aber tatsächlich eine veränderte Sicht auf die Führung. Oder wie ein Kollege aus dem BDU so treffend sagte »Alles, was in der Vergangenheit als Phrasen empfunden wurde, wird nun knallharte Realität.«

In den Medien ist das Thema bereits angekommen und wird in den letzten Monaten vielfach diskutiert. Das Magazin Brand Eins wählte als Titel der aktuellen Ausgabe zum Thema Führung den von Frustration geprägten Ausruf »Scheißjob«. Auch in den - wie ich finde – sehr gelungenen Dokumentationen »Augenhöhe« und »Mein wunderbarer Arbeitsplatz« werden alte und neue Formen von Führung und Zusammenarbeit nicht nur zur Debatte gestellt, sondern innovative Beispiele für die Umsetzung neuer Konzepte aufgezeigt.

 

Führung neu denken – Es wird Zeit!

Wozu also noch Führung? Zurzeit wird dies diskutiert – in Verbänden, in Beratungsunternehmen, an Hochschulen und Universitäten. Aber auch in Unternehmen und in den Abteilungen der Personalentwicklung?

Es scheint sich eine Haltung und Tendenz zu verstärken, die die Sinnhaftigkeit von Führung ernsthaft hinterfragt: Mein Blick auf das Thema und meine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Personen sagt mir: Eine Gruppe von Experten, von erwachsenen Menschen, benötigt keinen Dompteur, Vorangeher, Zurechtweiser, Wegweiser, Entscheider. Sie benötigt einen geeigneten Rahmen, Methoden und Tools um Erfahrung, Wissen und Kreativität in den produktiven Prozess einzubringen und ihn gemeinsam zu gestalten. Die Experten benötigen Sparringspartner im lauten Denken, Moderation im Austausch, Kooperation und Koordination. Die Experten benötigen Klarheit über ihren Gestaltungsraum und Zuverlässigkeit im Fließen der Organisation. Sie benötigen keinen charismatischen Leader oder Motivator, sondern vielmehr einen Coach, eine Zuhörerin, ein gemeinsames Leitbild. Sie benötigen Personen, die die Zusammenarbeit fördern und in Konflikten geschickt und empathisch als Mediator wirken. Ist dafür eine Führungsposition notwendig? Ist die Bezeichnung nicht schon lange überholt? Und welche Kompetenzen sind mit den neuen Rollen verbunden? Es bleibt zu hoffen, dass dieses Thema vor allem mit den Betroffenen ausgiebig reflektiert wird. Nämlich mit den Führungskräften und den Mitarbeitern.

Mit unserem neuen Ansatz »Die Gruppe als Denkeinheit« geben wir diesem Thema eine geeignete Plattform. Und es finden sich immer mehr Verantwortliche, die den Mut und den Weitblick haben, ihre Führungsrolle und das Thema Verantwortung in diesem Zusammenhang neu zu definieren.

Möchten Sie sich zu diesem Thema austauschen oder mehr erfahrern? Sprechen Sie uns an. Ergänzende Informationen finden Sie auch in unseren Konzept Die Gruppe als Denkeinheit.

 

 

Anke Rudnick ist seit 1994 als Unternehmensberaterin für Organisations- und Personalentwicklung tätig. Als Mitglied des BDU erfüllt sie die hohen Anforderungen des Certified Management Consultant und hat langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Führungskräften. Sie ist zwar seit 1998 geschäftsführende Gesellschafterin von I.Q., möchte aber auch nicht in allen Fragen immer »den Hut aufhaben« - ihr Team findet, sie macht das mit der empathischen Mediatorin schon sehr gut!